Die Universitätsstadt Marburg


Das reizvolle Stadtbild Marburgs bot fortwährend Anlaß zu immer wieder neuen Darstellungen, mit deren Hilfe man heute die Entwicklung des Stadtbildes verfolgen kann. Während des 30jährigen Krieges erstellte der bekannte Frankfurter Künstler Matthaeus Merian seinen Kupferstich, der die vom Schloß gekrönte Stadt einzigartig zur Geltung bringt.
Das Marburg von heute gleicht im Kern noch immer der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Stadtschöpfung. Wie einst schmiegt sich die mittelalterliche Siedlung an den Hang des Schloßberges und wie einst ragen aus dem Getümmel der kleinen Bürgerhäuser Kirchtürme und einige prominente Bauten heraus, die an den ursprünglichen Residenzcharaker der Stadt erinnern. Das ist Marburg an der Lahn: Der Blick vom Rudolphsplatz hinauf zum Schloß zeigt, wie eng im inneren Stadtbereich die Häuser zusammengepfecht sind. Dies macht den Stadtkern zwar untauglich für den modernen Verkehr, schafft dafür aber die für Marburg typische Idylle.

Bild: Marburg im Winter, Quelle: www.wikipedia.de
Einmal im Jahr, am ersten Juli-Sonntag ist die alte Stadt ganz und gar eine Stadt der Jugend: Beim Marktfrühschoppen, dem kürzesten Volksfest Deutschlands. Hier kommt nicht nur die Jugend zusammen, sondern auch viele ehemalige Marburger Studenten und Bürger, bei denen diese einst wohnten, sammeln sich, trinken, singen und feiern. Direkt auf dem Marktplatz ist der Giebel des Rathauses mit seinen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kostbarkeiten zu erkennen: Das Spielwerk der Uhr, wo zu jeder vollen Stunde der Hahn mit dem Flügel schlägt und der Wächter ins Horn stößt, der Tod seine Sanduhr dreht und Justitia die Waage bewegt, um uns zu zeigen, daß das Recht noch nicht eingeschlafen ist.
Aufwärts zum Schloß sind ungefähr 100 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Wo einst die Zugbrücke zum äußeren Schloßhof führte, sieht man links den früheren Marstall (jetzt Stipendiatenanstalt der Universität), dahinter den Saalbau und rechts den Westflügel, einst Wohnbau der höfischen Gemeinschaft. Der Residenzglanz im Inneren ist längst entschwunden, fürstliche Ausschmückung ist daraus gewichen, sie wurde von den Kasseler Landgrafen nach Kassel übernommen. Das Marburger Schloß wurde Festung, Kaserne, Lazarett und im vorigen Jahrhundert sogar Gefängnis. Nach der Annektion Kurhessens durch das Land Preußen hat man diese Degradierung wieder gut gemacht und in den weiten Schloßräumen das bedeutende Staatsarchiv untergebracht (bis denn im Marburger Südviertel dafür ein moderner Zweckbau im Jahre 1938 erstanden war).
Das Marburger Schloß bot den äußeren Rahmen für das Marburger Religionsgespräch im Jahre 1529; damals hatte Philipp der Großmütige, in weiser Voraussicht, daß die protestantische Seite sich nicht entzweien dürfe, Luther und Zwingli zur Überwindung ihrer gegensätzlichen Auffassungen hierher zusammengerufen. Landgraf Philipp hat sein Ziel nicht voll erreichen können, es blieb die Trennung in Lutheraner udn Reformierte.
Außerhalb des Stadtbereichs siedelte sich vor über 750 Jahren die von der Wartburg fliehende Landgrafenwitwe Elisabeth an. In Marburg starb sie nach wenigen Jahren hingebungsvoller Aufopferung und wurde wenig später als Heilige aus dem Grab erhoben. Über ihrem Grabe erbaute im 13. Jahrhundert der Deutsch-Ritter-Orden Elisabethkirche, ein Meisterwerk der frühesten gotischen Kunst. Im Jahre 1235 wurde der Grundstein gelegt, 50 Jahre brauchten die Meister für die Halle, weitere 50 Jahre für die Errichtung der Türme schlossen sich an - dann war das Bauwerk vollendet.
Am Rudolphsplatz begegnet man einem weiteren Eckpfeiler der Altstadt, der Aula der Alten Universität. Sie wurde erbaut, nachdem Kurhessen durch das Bismarck'sche Preußen annektiert worden war. So blieb von dem ursprünglichen Dominikanerkloster nur die alte Kirche übrig, die auf hohem Felsen stehend die Häusergruppen der Oberstadt majestätisch überragt. |